Der Arzt mit einer ansteckenden Lebensfreude

Der Arzt mit einer ansteckenden Lebensfreude

Von Barbara Gutmann

Gaggenau - Da sitzt er entspannt in seinem anheimelnden Garten mit der originalen Freiburger Markt-Laterne: "Das ist unser Refugium." Und er plaudert offen von seinem Leben, der beliebte frühere Arzt Dr. Rainer Walz im BT-Gespräch zu seinem heutigen 75. Geburtstag. Heute begeht er ihn ganz familiär. Ja, sie sind agil und weiterhin sehr mobil, die ehemaligen "Doctores Walz" aus Bad Rotenfels.

So sind sie viel auf Reisen, auch um die familiären Kontakte zu pflegen und das Aufwachsen der Enkelkinder mitzuerleben. "Wir haben zwei Sätze Enkel", witzelt Rainer Walz: "ein Paar mit 17 und 13 Jahren", von der älteren Tochter Carola, die als Lehrerin jetzt in England lebt - "und eines mit vier und zwei Jahren", von der Kardiologin Friederike in Leipzig.

"Wir genießen jeden Tag", immer aktiv und voller Pläne: Sie lernten auch intensiv Sprachen und haben einen großen Freundeskreis. Ein gemütvoller Mensch mit einer gehörigen Portion Humor ist der Jubilar, der auch als Arzt mit Hingabe und Empathie ("Ein Hausarzt ohne Empathie ist nicht denkbar") diese Ruhe und Gelassenheit ausstrahlte.

Seit 1981 führte Dr. Walz als Internist und Hausarzt seine Praxis, ab 1984 dann mit seiner Frau Gabriele die Gemeinschaftspraxis bis zur Übergabe an das Arztehepaar Grötschla im Jahr 2009.

Rotenfelser ist er seit Kindesbeinen, denn im Mai 1947 hatte sein in Rastatt gebürtiger Vater Dr. Kurt Walz die eigene Praxis eröffnet in der Murgtalstraße/Ecke Mühlstraße über dem damaligen Fahrradgeschäft Dillinger. Da schwelgt der Doc in Kindheitserinnerungen. Auch wenn Walz 27 Jahre der Heimat fern war, durch Internat ab zehn Jahren in St. Blasien, Studium, Ausbildung und erste Berufsjahre, so stellt er doch eindeutig fest: "Ich bin in Rotenfels sozialisiert." Und der Abstand tat gut: "Zurückzukommen war sehr schön, weil ich die Verhältnisse kannte, aber die nötige Distanz erworben hatte."

Wollte er als Achtjähriger noch unbedingt Koch werden, so spürte er bald seine Beruf ung zum Mediziner - es war ihm wohl doch in die Wiege gelegt worden. Heute ist die Medizin kein bestimmendes Thema mehr, wenngleich "man sich informiert" und sich Gedanken über die Gesundheitspolitik macht: Leider werde vergessen, "dass die Medizin etwas Individuelles ist; es sind immer Menschen, mit denen wir zu tun haben", definiert er sein Berufsethos.

Als Hobby aber wurde dann doch das Kochen aktiviert durch seine pragmatische Frau: "Du kannst doch nicht nur schaffen, geh dorthin" - also ging er zu den "Chuchis", mit denen er seit Jahren kreativ kocht, und "seit 2016 bin ich nun auch Chef von dem Laden", lacht einer, der heute wirklich "keine Ehrenämter mehr annehmen will."

Bei den monatlichen Kochrunden und privaten Festivitäten präsentiert er auch gerne seine poetische Ader mit Situationsgedichten, und rezitiert mit Vorliebe Kästner, Tucholsky oder Busch.

Einmal im Jahr wird in einer Mannschaft gesegelt, und die körperliche Fitness erhält sich der "Genussmensch" durch weiterhin intensive sportliche Aktivitäten wie Tennis, Skifahren, Laufen und Wandern. Sein Jahresurlaub mit der Familie war ihm wichtig: 34 Jahre lang war er mit seinem VW-Bus in ganz Europa (außer Norwegen) unterwegs. Offensichtlich hatte er diese gesunde Balance zwischen Beruf und Privatleben gefunden - meistens wenigstens.

Denn die heutige Gesundheit war nicht immer selbstverständlich. Kurz vor seinem Ruhestand hatte Walz Herzprobleme - "es stand Spitz auf Knopf. Aber ich lebe noch." Überaus dankbar schaut er deshalb auf die 75 Jahre zurück und nach vorne: "Am meisten für mein jetziges Leben habe ich von meinen Patienten gelernt: ein praller Bilderbogen an Lebenserfahrungen, Lebensverläufen, Lebensbewältigungen. Und: Ich habe in diesem Murgtal einen Mutterwitz erfahren, der wunderbare Situationskomik gebiert. Das ist ein Pool, von dem ich zehre." Um Abstand vom aufreibenden Beruf zu gewinnen, machten sich die Eheleute auf den Jakobsweg, direkt nach der Praxisübergabe. In sechs Wochen pilgerten sie 800 Kilometer den Hauptweg, den "Camino frances" von den Pyrenäen bis nach Santiago de Compostela. "Eine großartige Erfahrung, um ganz zu sich selber zu finden." Dort ist er längst angekommen und strahlt eine ansteckende Lebensfreude aus.

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