Studie soll ungesteuerte Entwicklung ordnen

Studie soll ungesteuerte Entwicklung ordnen

Von Stephan Juch

Gernsbach - Die langersehnte Baulandstudie liegt endlich vor. Bauamtsleiter Jürgen Zimmerlin stellte sie am Mittwochabend im Ortschaftsrat Obertsrot vor. Bei einer Enthaltung von Herbert Fritz (CDU) nahm das Gremium das Papier zustimmend zur Kenntnis. Begeisterung löste es indes keine aus.

Nachdem der Gemeinderat bereits 1998 beschlossen hatte, für die Baulandentwicklung von Gernsbach die künftige Erschließung von Wohn- und Gewerbegebieten nur noch im Rahmen von städtebaulichen Verträgen vorzunehmen, habe sich inzwischen gezeigt, dass damit nicht immer eine sinnvolle Entwicklung möglich sei, erläuterte Zimmerlin die Vorgeschichte. Der Bauamtsleiter nannte die damalige Entscheidung zwar richtig und betonte, dass es dadurch auch zu Flächenentwicklungen gekommen sei, die andernfalls eher unwahrscheinlich gewesen wären. Allerdings habe Baulandentwicklung nur dort stattgefunden, wo Grundstückseigentümer selbst die Initiative ergriffen.

Um diese "ungesteuerte Entwicklung" zu ordnen, sei eine Zusammenstellung aller Flächenpotenziale erforderlich gewesen, um diese dann nach einem einheitlichen Bewertungsschema priorisieren zu können. Genau das soll nun anhand der Baulandstudie im Gemeinderat passieren. Deshalb soll das Stadtparlament den Beschluss von 1998 in seiner Sitzung am kommenden Montag, 30. September (Beginn: 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses), aufheben. Zimmerlin wies im Ortschaftsrat aber auch darauf hin, dass die öffentlich-rechtliche Erschließung "die etwas schwierigere" sei, weil man dabei mit Widerstand betroffener Grundstückseigentümer in einem Baugebiet rechnen müsse.

Aus Sicht von Obertsrot und Hilpertsau gibt die Baulandstudie wenig Neues preis. In der Liste der priorisierten Flächen, die in den Jahren 2020 bis 2025 für die Aufstellung von Bebauungsplänen infrage kommen, befinden sich je zwei Bereiche in Obertsrot (Haulingrain und Bahnhofsplatz) und Hilpertsau (Eben II und Bahngelände). Bis auf Haulingrain (0,4 Hektar am südlichen Ortsrand, angrenzend an die Ebersteinhalle) sind alle bereits in Arbeit.

Hilpertsau: In Eben II sollen 18 Einzel- und zwei Doppelhäuser entstehen; entlang der Stadtbahnhaltestelle zwischen der St. Sebastian-Straße im Norden und der Zinsäckerstraße im Süden sind ein Mehrfamilienhaus und eine gewerbliche Lagerhalle in der Planung.

Obertsrot: Hinter den Kulissen wird schon Jahre daran gearbeitet, das Weingut Schloss Eberstein auf das AVG-Gelände am Bahnhofsplatz zu verlagern. Dies steht auch wieder auf der Wunschliste des Ortschaftsrats für den Haushalt 2020 (siehe nebenstehenden Bericht).

In der weiterführenden Betrachtung potenzieller Baugebiete für die Jahre 2025 bis 2030 tauchen weder Flächen in Obertsrot noch in Hilpertsau auf. Das monierte Herbert Fritz, für den die vorgenommene Bewertung nicht immer ganz nachvollziehbar war. Er verwies dabei auf Brunnäcker II und Scheibenäcker, die man als potenzielle Erweiterungen von Eben II im Blick behalten sollte. Sie haben zwar gute Bewertungen, sind aber jeweils rot markiert (also als nicht realisierbar). Als Grund dafür nannte Zimmerlin den Flächennutzungsplan, der eine weitere Entwicklung im Außenbereich erst zulasse, wenn die innerörtlichen Potenziale ausgeschöpft seien. Heißt: Wenn Eben II und das Bahnhofsgelände soweit abgeschlossen sind, könnten diese Gebiete wieder in den Fokus rücken.

Heute Abend beschäftigt sich der Ortschaftsrat Reichental mit der Baulandstudie. Im Bergdorf stehen die Arrondierungen Hardt III oder Hardt IV sowie der Kaltenbronn (Masterplan) auf der Prioritätenliste für die Jahre 2020 bis 2025 - allerdings ganz unten. Ganz oben taucht in dieser Liste der "Wörthgarten" auf, das Pfleiderer-Areal.

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