Nächste Erweiterung bahnt sich längst an

Nächste Erweiterung bahnt sich längst an

Von Stephan Juch

Gernsbach - In den vergangenen rund 18 Monaten hat die Stadt 5,8 Millionen Euro für dringend benötigte Krippen- und Kindergartenplätze ausgegeben. Doch frühestens im September kommenden Jahres - vorausgesetzt bei der Erweiterung im Fliegenpilz und beim Umbau des städtischen Wohnhauses Jahnstraße 7 kommt nichts dazwischen - werde sie wieder in der Lage sein, dem Rechtsanspruch aller Eltern gerecht zu werden. Aktuellen Zahlen zufolge fehlt es bis dahin an insgesamt 66 Plätzen. Auch wenn diese geschaffen werden, kann sich Gernsbach aber nicht zurücklehnen. Weitere (Groß-)Investitionen scheinen unvermeidbar.

"Wir müssen gleich ran, bis zur nächsten Bedarfsplanung brauchen wir verlässliche Zahlen", forderte Uwe Meyer am Montag im Gemeinderat. Der Fraktionschef der Freien Bürger verwies darauf, dass es in Zukunft normal sein werde - größtenteils ist es schon jetzt so -, dass beide Eltern arbeiten und die Betreuungsquote der Kinder unter drei Jahren weiter steige. Derzeit liege diese bei rund 30 Prozent; Tendenz steigend.

"Es ist ziemlich klar, dass wir sehr bald vier bis sechs weitere Gruppen brauchen, dass wir bis 2022 weitere Schritte tätigen müssen", bestätigte Volker Arntz. Er regte für die SPD-Fraktion an, zeitnah einen Antrag zu formulieren, um mit neuen Einrichtungen entsprechende Kapazitäten zu schaffen. Der derzeit vonstattengehende Ausbau des Kindergartens Fliegenpilz (Gesamtkosten 4,4 Millionen Euro) und die am Montag mit dem Baubeschluss auf den Weg gebrachte Einrichtung einer Kinderkrippe in der Jahnstraße 7 (zwei Gruppen, Kosten: circa 760 000 Euro) werden nicht reichen. Auch mit ihnen sind zum Start des nächsten Kindergartenjahres alle Kapazitäten erschöpft.

Hauptamtsleiter Thomas Lachnicht bestätigte diese Prognose und kündigte an, 2020 "einen weiteren Blick in die Zukunft" werfen zu wollen. "Wie können wir die Zahlen verlässlicher machen?", fragte Frauke Jung (CDU). Darauf konnte Lachnicht nur allgemein antworten, seien doch die Veränderungen, auf die man im Kindergartenbedarfsplan eingehen müsse, gesellschaftlicher Art. Die Anhebung der Elternbeiträge nannte Lachnicht eine unpopuläre Maßnahme, verwies aber gleichzeitig darauf, dass Gernsbach im Vergleich zu anderen Städten und Gemeinden und auch zu den Empfehlungen der kommunalen Spitzenverbände "noch weit hinten dran" sei. "Uns gehen jedes Jahr 112 000 Euro verloren", rechnete er vor, versprach aber, "nicht über die Sätze zu gehen", die empfohlen werden, "weil wir eine familienfreundliche Stadt sind".

Während die Freien Bürger und die CDU keine Chance sehen, an der Gebührenentwicklung groß was zu ändern, ist es für die SPD nach wie vor ein mittelfristiges Ziel, diese ganz einzufrieren. "Wir können da durchaus ein Zeichen setzen", meinte Volker Arntz mit Verweis auf den Kindergarten als Bildungseinrichtung. Martina Jockers von den Grünen sprach sich für gestaffelte, einkommensabhängige Gebühren aus. "Wir sollten die Hürde so niedrig wie möglich legen, um möglichst alle Kinder in die Einrichtungen zu kriegen."

Bernhard Wieland (CDU) monierte, dass es für die Elternvertreter schwierig gewesen sei, auf den neuen Kindergartenbedarfsplan und die Gebührenanpassung zu reagieren. Sie haben die Pläne erst nach den Sommerferien bekommen und jetzt werden sie bereits vom Gemeinderat beschlossen. Für eine Stellungnahme des Elternbeirats zum Beispiel sei dies viel zu wenig Zeit. Er bat darum, die Pläne künftig früher (nach Möglichkeit vor den Ferien) zur Verfügung zu stellen.

Dem Kindergartenbedarfsplan, der Änderung der Benutzungsordnung für städtische Kindertagesstätten und der Einrichtung der Krippe in der Jahnstraße 7 (Baubeschluss) stimmte der Gemeinderat einstimmig zu; bei der Erhöhung der Elternbeiträge gab es neun Gegenstimmen aus den Reihen von SPD und Grünen sowie eine Enthaltung.

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