"Schade, dass Forbach nicht mitmacht"

'Schade, dass Forbach nicht mitmacht'

Von Markus Mack

Forbach - Das Projekt Rotwildkonzeption Nordschwarzwald läuft wie geplant weiter, bekräftigt dessen Leiter Dominik Fechter von der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Freiburg (FVA). "Es ist schade, dass Forbach nicht mitmacht", bedauert er das ablehnende Votum des Gemeinderats in dessen jüngster Sitzung. Lediglich drei Räte hatten dafür gestimmt, sich am Projekt zu beteiligen.





Forbach ist eine von 38 Gemeinden, deren Flächen von der Konzeption für den Nordschwarzwald erfasst werden. Ziel ist ein Plan für das Rotwildmanagement im Nordschwarzwald, der auf wildtierökologischen und sozialwissenschaftlichen Grundlagen aufbaut. Die Planungsregion Nord-West, in der Flächen des Nationalparks, der Städte Bühl, Baden-Baden und Gernsbach sowie der Gemeinden Weisenbach und eben Forbach liegen, umfasst etwa 15 000 Hektar. Der Teil des Forbacher Gemeindewalds, der jetzt nach dem mehrheitlichen Votum des Gemeinderats aus der Modellregion für das Konzept ausgeklammert wird, hat eine Fläche von rund 1 500 Hektar.

Murgschifferschaft "sehr skeptisch"

"Die Bedenken in Forbach sind anscheinend zu groß", resümiert Fechter den Verlauf der Abstimmung. Er sieht als Projektleiter dagegen durchaus Vorteile für die Gemeinde. Dazu zählen die Limitierung von Wildschäden, die Berücksichtigung der Lebensraumansprüche des Rotwilds, die Anpassung der Rotwilddichte und der Erhalt attraktiver Jagdmöglichkeiten und des Jagdwerts. Dauerhafte Managementstrukturen sollen etabliert und ein Planungsinstrument für touristische Entwicklung geschaffen werden.

Ziel ist, "dass der Wald gut wächst", darauf hatte er schon im Gemeinderat mehrfach hingewiesen. Um dieses Ziel zu erreichen, sei ein großflächiges Management nö tig. "Wir wollen, dass es den Gemeinden besser geht", verdeutlicht Fechter und verweist erneut auf die Freiwilligkeit der Teilnahme. Jederzeit könnten die beteiligten Waldeigentümer auch wieder aussteigen. Diese Möglichkeit war ein weiterer Kritikpunkt am Konzept. Bürgermeisterin Katrin Buhrke monierte im Gemeinderat, dass dadurch die Ergebnisse verändert würden.

Ein Zonierungskonzept ist entwickelt, das soll jetzt "in die Fläche gebracht" werden, erläutert Fechter. Die Eigentümer könnten dabei festlegen, was auf ihren Flächen mit dem Rotwildbestand gemacht werden soll. Es gibt Wildruhebereiche mit Einschränkungen für die Nutzung von Wald und Jagd, bei der das Wild im Vordergrund steht. Die menschliche Nutzung des Gebiets wird dort minimiert. Im Walderlebnisbereich steht dagegen dessen Nutzung durch den Menschen, beispielsweise als Freizeitort, im Vordergrund. In Weisenbach wurde das Konzept bereits im Juni vorgestellt. Dort hatte sich der Gemeinderat einstimmig für eine positive Begleitung des Projekts entschieden.

Das Rotwildgebiet Nordschwarzwald ist mit rund 105 000 Hektar das größte der fünf Rotwildgebiete Baden-Württembergs und spielt für den genetischen Austausch der Tierpopulation in Baden-Württemberg eine zentrale Rolle.

Auch die Murgschifferschaft steht dem Projekt "sehr skeptisch" gegenüber, wie Walter Dürr, der Leiter der Forstverwaltung, auf BT-Anfrage mitteilte. Die Waldgenossenschaft wollte eine Aussage der FVA über die Höhe der Gesamtpopulation des Rotwilds im Nordschwarzwald, die es nicht gebe. Deshalb sei die Murgschifferschaft nicht beim Projekt dabei, erklärt Dürr. Rund 500 Hektar Fläche hätten "links der Murg" bei den Untersuchungen der FVA mit berücksichtigt werden sollen. "Die Murgschifferschaft steigt nicht aus, sie ist noch nie eingestiegen", verdeutlicht der Leiter der Forstverwaltung.

Rotwildbestand seit "Lothar" stark gestiegen

Der Rotwildbestand sei in den vergangenen 15 Jahren deutlich angewachsen. So gebe es seit dem Sturm "Lothar" mehr Freiflächen und bessere Nahrungsbedingungen für das Rotwild. Der Bestand müsse deutlich reduziert werden, so Dürr. Es gebe gegensätzliche Einschätzungen und Interessenskonflikte der verschiedenen Waldeigentümer, die von einer Reduzierung des Bestands bis zum gänzlichen Verzicht der Jagd in Bereichen des Nationalparks reichten.

Der Planungsprozess läuft noch bis Juni 2020, erläutert Fechter. Eventuell sei eine Verlängerung möglich. Danach sollen die Ergebnisse den beteiligten Waldeigentümern präsentiert werden.

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