"Wendepunkt" im Bernhardusheim

'Wendepunkt' im Bernhardusheim

Von Dagmar Uebel

Gernsbach - Zeitlos scheint die Geschichte. Eine Geschichte, die aus dem Jahrtausende alten christlichen Glauben gespeist wird und weltweite Verbreitung fand. Von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in zeitgemäßem Musicalformat mitreißend und verständlich erzählt, so erlebten die Besucher des Obertsroter Bernhardusheims mit ihrer "Zeitreise durch die Bibel" den Jugendchor aus Östringen.

"Die Sängerinnen und Sänger des Jugendchors der katholischen Kirchengemeinde Östringen im Alter von fünf bis 24 Jahren sind seit 32 Jahren unterwegs, um ihr Bibelverständnis anderen ihres Alters nahezubringen", erklärte Gerhard Gellner, der für die Aufführungsgestaltung und am Keyboard für die musikalische Gestaltung verantwortlich zeichnet.

Mit ihrem Musical, "Wendepunkt" betitelt, machte der Jugendchor durch seine poppig-musikalische Gestaltung die Zuschauer neugierig. Das Musical begeisterte schnell, verfügte das Stück doch durch die jugendgemäßen Dialoge und die musikalische Begleitung des Chors durch drei zum Ensemble gehörenden Instrumentalisten (Saxophon, Trompete, Querflöte und Cajon) über alle Merkmale einer interessanten Aufführung.

Zum besseren Verständnis biblischer Geschichte trug ein besonderes choreografisches Gestaltungselement bei, indem vier Chormitglieder in ihrer eigenen Sprache Bibelstellen hinterfragten und auf ihre eigene Weise interpretierten. Dazu schmökerten sie, abseits vom Chorensemble, in einer wie zufällig auf dem Dachboden entdeckten Bibel. Neugierig geworden, faszinierte sie deren Inhalt derartig, dass sie ihr eigentliches Projekt, einen Zeitreisecomputer zu bauen, schnell vergaßen. Stattdessen erlebten sie eine Rückbesinnung auf mehr als 2000 Jahre christlicher Geschichte. Zwischen den Gesangsbeiträgen der Choristen, die die Texte mit klarer Verständlichkeit wiedergaben, trugen große, vor der Bühne ausgerollte Banner mit den Namen der jeweiligen biblischen Protagonisten zum Verständnis besonders sehr junger Zuschauer bei. Dadurch war der Inhalt der dargestellten Geschichte gut begreifbar und schnell klar.

Es ging um den "Wendepunkt", den die biblische Figur des Saulus von Tarsus durch prägende Ereignisse vor mehr als 2000 Jahren erlebte. Laut der Apostelgeschichte wandelte er sich vom überzeugten Christenverfolger zum Apostel. Aus dem willfährigen Büttel römischer Herrschaft wurde nicht nur ein Anhänger, sondern sogar ein Verbreiter christlicher Lehre. Vom Saulus zum Paulus werden: Dieses geflügelte Wort versteht auch heute noch fast jeder. Man benutzt es, wenn sich ein Schuft zum guten Menschen wandelt. Doch seinen historischen Hintergrund kennen nur noch wenige.

Alle Aktiven des Jugendchors boten ein gekonntes Wechselspiel zwischen gesanglichen Passagen, instrumentalen Beiträgen, theatralischen Momenten in sprachlich jugendgemäßer Gestaltung. Dazu trug auch die unkomplizierte kleidungsmäßige Gestaltung sowohl der Choristen als auch der "Bibelentdecker" bei. Die einzige Ausnahme war den Bannerträgern gestattet, deren glänzende Kostüme für eine optische Verbindung zum historischen Handlungszeitraum sorgten.

Bei die Frische der dargestellten Handlung, der insgesamt beeindruckenden Chorleistung und der Soli der Instrumentalisten blieb es nicht aus, dass es noch vor gut beklatschtem Aufführungsschluss sogar Szenenapplaus gab.

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