Erste weiterführende Naturparkschule

Erste weiterführende Naturparkschule

Von Ulrich Jahn

Gaggenau - Die offizielle Urkunde wurde zwar erst gestern übergeben, aber die Naturparkschule ist an der Realschule Gaggenau bereits angekommen. Und die Schüler sind begeistert dabei. Deutlich wurde dies in einer kleinen Feierstunde im Musiksaal der Schule.

Verschiedene Unterrichtsmodule haben die Realschüler in den vergangenen Wochen und Monaten absolviert. Im Rahmen einer regelmäßigen "Schultierstunde" wurden unter dem Motto "Nutztiere" die schuleigenen Ziegen, Bienen, Hühner und Kaninchen umfassend behandelt. Mit Erfolg. Mit Begeisterung schauen die Schüler immer wieder auf dem schuleigenen Bauernhof nach den Tieren, füttern und streicheln sie.

Von einem "ganz besonderen Anlass" sprach Schulleiter Axel Zerrer zu Beginn der Feierstunde. Als Motor und treibende Kraft in Sachen Naturparkschule erwähnte er Nicolai Szymanski. Hervor hob er auch die Projektleiterin Dr. Antje Wurz, die unverzichtbar und "eine echte Bereicherung für das Team der Naturparkschule" sei.

Wurz sprach von einem Alleinstellungsmerkmal auch für die Stadt Gaggenau. So sei die Naturparkschule ein Argument für "Fahrschüler", sprich Schüler aus anderen Kommunen, dass sie sich für die Realschule Gaggenau entscheiden. Und die Stadt lebe davon, Arbeitskräfte anzuziehen. Auch da könne die Naturparkschule ein Argument sein, in die Große Kreisstadt zu ziehen.

"Ein Kreis schließt sich", meinte Axel Zerrer. Für die Realschule sei ein Dach gefunden worden, unter dem sie viel Platz finde. Vorhanden sind zum Beispiel der Schulgarten und der Bauernhof mit Biotop, Ziegen und Hühnern. Auch eigener Apfelsaft werde seit Jahren an der Schule hergestellt.

Moderne

Heimatkunde

"Die Realschule Gaggenau ist die dritte Schule im Murgtal, die Naturparkschule wird", hob Karl-Heinz Dunker, Geschäftsführer des Naturparks Schwarzwald Mitte/Nord, hervor. Nach den Grundschulen in Bischweier und Hilpertsau sei die Realschule die erste weiterführende Schule im gesamten Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord. "Wir wollen die Schüler an Themen wie Natur, Heimat oder Kultur heranführen", beschrieb Dunker die Intention für diese Schuleinrichtungen. So gehe es um moderne Heimatkunde. Recht schnell würden Schüler merken, dass Kulturlandschaften auch viel mit Arbeit zu tun haben. An Realschulrektor Axel Zerrer übergab Dunker Urkunde sowie Plakette mit dem Schriftzug "Naturparkschule".

"Die Realschule hat schon immer guten Zulauf gehabt", sagte Oberbürgermeister Christof Florus. Die Naturparkschule sei der richtige Schritt. Naturverbundenheit sei verloren gegangen. Deshalb sei das pädagogische Konzept richtig. Erforderlich sei auch, die jüngere Geschichte, zum Beispiel die Naziherrschaft, zu thematisieren. Sehr beeindruckt waren zu diesem Thema jene Schüler der vier neunten Klassen, die kurz vor Beginn der Sommerferien den jüdischen Friedhof in Kuppenheim besuchten und unter anderem den Ausführungen von Heinz Wolf vom Arbeitskreis Stolpersteine zu jüdischen Traditionen im Murgtal lauschten. Traditionen, die durch die Gräueltaten der Nazis vernichtet wurden. Solche außerschulischen Partner wie der Arbeitskreis Stolpersteine werden in die Naturparkschule fest eingebunden - vom Obst- und Gartenbauverein über Landwirte bis hin zu Handwerkern und Umweltpädagogen.

Dieser Ausflug war Bestandteil eines Unterrichtsmoduls. Die Realschüler stellten mehrere davon vor. So begaben sie sich auf die Spuren von Glasmännle und Holländermichel und besuchten die Ausstellung "Das kalte Herz" im Schloss Neuenbürg. Zuvor eroberten sie den Baumlehrpfad bei Bad Wildbad und hatten dazu ein imposantes Schattenspiel einstudiert, das sie gestern den Besuchern der Realschule präsentierten. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von der Schulband der Realschule Gaggenau.

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