Große musikalische Bandbreite

Große musikalische Bandbreite

Gernsbach (vgk) - Viel Applaus gab es für die Spielgemeinschaft Akkordeonorchester Gernsbach und Harmonika-Spielring Weisenbach sowie für das Erste Kölner Akkordeonorchester am Samstagabend. Sie bereiteten den Besuchern in der Stadthalle Gernsbach genussvolle musikalische Momente und kleinere Überraschungen. Jede Stuhlreihe war besetzt. Und nach dem Finalstück sollte noch lange nicht Schluss sein.

Das 17. Bezirkskonzert des Bezirks Mittelbaden im Deutschen Harmonika-Verband (DHV ) war ein Geschenk und ein weiterer Höhepunkt im Jubiläumsjahr der Stadt, die ihr 800-jähriges Bestehen feiert. Die Teilnahme der Vereine an den Feierlichkeiten während des Jubiläumsfests und an diesem Abend sind ein Zeichen funktionierender Zusammenarbeit, meinte Bürgermeister Julian Christ - auch im Namen seines Amtskollegen aus Weisenbach, Daniel Retsch.

Das Akkordeon ist ein Instrument, das viele Bezeichnungen trägt. Diese reichen von der Harmonika über Schifferklavier bis hin zur Quetschkommode, so der Bürgermeister. Das Spielen auf einem solchen habe aber weder was mit Quetschen noch mit einer Kommode zu tun. Vielmehr verlangt ein derartiger Klangkörper die volle Aufmerksamkeit des jeweiligen Spielers. Das Instrument prägt eine große musikalische Bandbreite. Von der Klassik bis zur Moderne reichte denn auch das dargebotene Repertoire. Es wurden nur wenige Worte gemacht. Vielmehr ließen beide Formationen die Musik sprechen.

Dem ersten Teil des Konzertabends drückte die Spielgemeinschaft ihren Stempel auf. Deren Musiker schwangen sich, engagiert dirigiert von Rainer Löffler, zu Höchstleistungen empor und setzten viel beachtete Akzente. Ihren Teil trug auch die Rhythmusgruppe im Background des Orchesters dazu bei. Einen Auftakt nach Maß gelang den Akkordeonisten mit der Filmmusik "Crimson Tide - in tiefster Gefahr" von Hans Zimmer. Mit ausgefeilter Rhythmik und spritzigen Notenläufen glänzte "On Stage" von Thomas Ott. Ebenso durfte an so einem Konzertabend auch nicht ein Stück aus dem Barock nicht fehlen. Die bekannte Invention a-Moll des großen Komponisten Johann Sebastian Bach wurde von Ott in den "Tango Invention" verwandelt. Meisterliches Spiel offenbarten auch "Palladio" (Karl Jenkins) und die Klangcollage "City Moments" von Hans-Günther Kölz. Die aus fünf Sätzen bestehende Suite entwirft klangliche Bilder von vollen Straßen, von Szenen in der U-Bahn oder in einem Nachtklub. Dass dieses Ensemble nicht ohne Zugaben entlassen werden konnte, verstand sich von selbst.

Eine unterhaltsame Steigerung erfuhr der Abend zusätzlich durch das Erste Kölner Akkordeon-Orchester, das unter der Leitung von Matthias Hennecke musizierte. Die mehrfach preisgekrönte Gruppierung zählt nach eigener Aussage zu den Besten der Welt. Auch diese Formation brachte ganz unterschiedliche Stilrichtungen zu Gehör. Die Akteure eröffneten den Reigen mit der "Karneval Ouvertüre" von Antonin Dvorák - einer prächtigen und ausgefeilten Komposition. Es folgte passend dazu der Walzer aus der Schauspielmusik "Maskerade" von Aram Khatchaturian. Zu einem Klangerlebnis für die Zuhörer formten die Musiker "Star Trek - through the years", eine Reise durch die Weiten des Weltalls. Toshihiko Sahashi kombinierte für seine Mozart-Pop-Sinfonie moderne Stilelemente mit Themen aus verschiedenen Mozartwerken. Ihr vorwärtsschreitender Rhythmus und kleinere stilistische Überraschungen sind eine Herausforderung.

Die Bravorufe, die das Orchester nach seinem ausgefeilten Spiel erntete, hatten ihre Berechtigung. Ein knackig inszeniertes "Michael Jackson Special" sowie die orchestrale Umsetzung von "Africa", einem Erfolgshit der Band Toto, gaben einen Überblick, was man mit dem Akkordeon alles machen kann. Doch ein Akkordeonkonzert wäre unvollständig, ohne einen Tango gespielt zu haben. Der "Tango pour Claude" (Richard Galliano) sollte das Finalstück sein. Der stehende Applaus sprach dagegen.

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