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Fasten bedeutet mehr als nur Verzicht
Fasten bedeutet mehr als nur Verzicht
15.02.2018 - 06:08 Uhr
Baden-Baden (red) - Die fünfte Jahreszeit ist vorüber, nun ist Selbstbeherrschung gefragt. Und daran halten sich immer mehr Menschen: Fasten ist angesagt. Dabei geht es nicht nur um den Verzicht selbst, sondern auch um das Infragestellen des eigenen Verhaltens. Aus religiösen Gründen ebenso wie zur Stärkung der eigenen Persönlichkeit. "Indem ich verzichte, zeige ich, dass ich Herr im eigenen Haus bin", sagt der Freiburger Philosoph Andreas Urs Sommer.

Das Badische Tagblatt beschäftigt sich in der Donnerstagausgabe mit dem Fasten - als "Top-Thema". In den verschiedenen Ressorts und Lokalteilen werden ganz unterschiedliche Facetten beleuchtet.

Die Nachrichtenredaktion arbeitet in einem Frage-und-Antwort-Stück auf, wie die Verzichtsübung in den Religionen entstanden ist. Ernährungsexpertin Barbara Bjarnason (bekannt aus dem "ARD-Buffet") rät im Interview zur Reduktionskost. Monika Vogelgesang, Fachärztin für psychosomatische Medizin und Psychotherapie, berichtet über die Vor- und Nachteile des Verzichts. Und in einem "Nachgefragt" erläutert KVV-Pressesprecher Nicolas Lutterbach die Hintergründe des Fastentickets, mit dem der Karlsruher Verkehrs-Verbund zum Umsteigen auf Busse und Bahnen anregen will.

Im Kulturteil wird das Fastentuch im Freiburger Münster vorgestellt. Es gilt als eines der größten und prächtigsten seiner Art. Die Sportredaktion geht der Frage nach, wie die beiden türkischen Fußballvereine in der Region Training, Spielbetrieb und Ramadan unter einen Hut bekommen.

Die Baden-Badener halten es mit der Fastenzeit ganz unterschiedlich. Bei einer Straßenumfrage der Lokalredaktion gab es die unterschiedlichsten Antworten zum Thema. Manch einer freut sich regelrecht auf die Fastenzeit, es wird kein Alkohol getrunken oder keine Schokolade gegessen - und manchmal bleibt man gar danach ein Leben lang dabei. Andere machen sich durchs Fasten bewusst, wie gut es ihnen sonst geht, speziell dadurch, dass sie etwas entsagen, von dem sie sonst vielleicht zuviel essen.

Ein Blick in die Geschichte zeigt allerdings, dass gerade der Verzicht auf Schokolade während der Fastenzeit ein recht neues Phänomen ist. Als in der Rastatter Barockresidenz und in Schloss Favorite noch die Markgrafen von Baden Hof hielten, in der Barockzeit also, galt Schokolade sogar als ausgesprochene Fastennahrung. Man machte sich einfach den Grundsatz zunutze, dass Flüssiges nicht das Fasten bricht. Schokolade zum Essen war vor 300 Jahren noch unbekannt. Man kannte ausschließlich Trinkschokolade. In Schloss Favorite kann man kostbare Schokoladenbecher aus der Zeit der Markgräfin Sibylla Augusta besichtigen. Überhaupt wird man in Führungen durch die Rastatter Schlössern dieses Jahr viel erfahren können über Essen und Verzicht: "Tisch und Tafel" ist das Jahresthema der Staatlichen Schlösser und Gärten.

Fasten kann eine spirituelle oder auch eine rein körperliche Dimension haben. Vielleicht auch beides. Mit der spirituellen Ebene setzt sich in der Murgtalausgabe Pfarrer Thomas Holler von der Seelsorgeeinheit Forbach-Weisenbach auseinander. BT-Mitarbeiterin Barbara Gutmann hingegen beleuchtet mehrere Fasten-Arten, darunter ihre Favoriten "Hildegard-Fasten" und "Basenfasten".

Für den Bühler Stadtpfarrer Wolf-Dieter Geißler hat Fasten damit zu tun, das Bewusstsein für alltägliche Selbstverständlichkeiten zu stärken. Im privaten Bereich ändert er zum Beispiel sein Konsumverhalten und legt fest, welche Summe er über einen gewissen Zeitraum ausgibt. In seine Predigten bezieht er während der Fastenzeit immer mal wieder ein großes Stoppschild mit ein. Es soll symbolisieren, dass es wichtig ist, auch mal innezuhalten. Die Vorsitzende des Bühler Kneipp-Vereins, Brigitte Paulus-Meyer, fastet seit ihrem 30. Lebensjahr. Ihre Erfahrungen gibt sie in Kursen weiter.

Foto: dpa

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