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Mauerstücke: Heute Accessoires und Friedenssymbole in aller Welt
09.11.2019 - 13:00 Uhr
Berlin (dpa) - Viele Jahre ging quer durch Deutschland eine lange Grenze. An einem Sonntag im August 1961 begann der Bau des Bollwerks, das Berlin 28 Jahre lang teilte. Die Mauer wurde zum Symbol der deutschen Teilung, 140 Menschen starben hier. 1989 war es damit vorbei: Die Mauer fiel. Am heutigen Samstag, 9. November, ist das 30 Jahre her. Heute sind die historischen Reste in alle Welt verstreut.

Ein Stück steht im Skulpturengarten am UN-Hauptsitz in New York. Eines hat seinen Platz mitten in einem costa-ricanischen Beet gefunden. Und in Las Vegas, auf den Toiletten des Main Street Station Casinos, sind Urinale an einen Rest der Berliner Mauer montiert. Die Überreste des 160 Kilometer langen monströsen DDR-Betonwalls sind längst in alle Welt verstreut. Manche sind bloße Accessoires, viele dienen als Mahnmale und Symbole des Friedens.

Berlin

In der Euphorie nach dem Mauerfall vom 9. November 1989 wurden große Teile abgerissen, geschreddert oder verkauft. In Berlin sind nicht mehr viele Stücke übrig: Das längste noch erhaltene Teilstück steht an der Spree. Die über einen Kilometer lange East-Side-Gallery bemalten 1990 Künstler aus aller Welt mit riesigen Wandbildern. Heute ist der Ort ein Touristenmagnet mit Millionen Besuchern im Jahr. Auch an anderen Orten in Berlin wird an die Teilung erinnert. Die Gedenkstätte an der Bernauer Straße mit einer 220 Meter langen Betonreihe gilt als wichtiges Symbol. Sie ist auch ein Mahnmal für die 140 Menschen, die an der Mauer durch das DDR-Grenzregime ums Leben kamen.

Rom

Etwas versteckt steht hier ein Mauerteil in den vatikanischen Gärten. Ein italienischer Geschäftsmann ersteigerte es im Jahr nach dem Mauerfall und schenkte es dem Vatikan. Erst vier Jahre später gab der damalige Papst, Johannes Paul II., grünes Licht dafür, das fast vier Meter hohe Mauersegment aufzustellen. Darauf prangt ein Bild der Berliner Kirche St. Michael sowie Streetart: einer blauer Smiley.

Seoul

Auf einem kleinen Platz im Zentrum von Seoul stehen drei große Segmente der Berliner Mauer. Auf den glatten Flächen sind noch undeutliche Graffiti zu erkennen. Davor steht ein blau bemalter Berliner Bär. Die Mauerstücke sind ein Geschenk des Berliner Senats aus dem Jahr 2005. Sie stehen dort als Mahnmal, sollen aber im geteilten Korea auch ein Zeichen der Hoffnung auf Wiedervereinigung sein.

Brüssel

Neben zwei Teilen vor dem Europäischen Parlament steht ein Segment der Mauer vor dem Hauptgebäude der Europäischen Kommission hinter Glas, täglich ziehen Journalisten, Politiker und Touristen vorbei. Darauf ist ein Porträt des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy zu sehen, eingebettet in die amerikanische Flagge. Vor etwa 10 Jahren kaufte die EU das Stück - es steht symbolisch für das wiedervereinigte Europa.

Moskau

Hier ist ein Mauerstück auf dem Gelände der deutschen Schule ausgestellt und Bestandteil des Unterrichts. Vor etwa fünf Jahren kam es vom Potsdamer Platz aus Berlin mit dem Lkw nach in die russische Hauptstadt. Ein weiteres Teilstück steht nahe des Sacharow-Zentrums, das Ausstellungen zu Themen wie Menschenrechte zeigt. Weitere Mauer-Standorte in Russland sind Experten nicht bekannt.

Sydney

In Sydney ist ein 2,4 Tonnen schweres Originalteil der Berliner Mauer wiedergefunden worden: Das annähernd vier Meter hohe und gut erhaltene Stück befand sich seit mehr als einem Jahrzehnt in einem Lagerhaus der australischen Millionenmetropole, wo sich aber niemand weiter darum kümmerte. Darauf ist ein Graffiti mit dem Schriftzug "Jeder hat Kraft" zu lesen, wie das örtliche Goethe-Institut sagt. Künftig will die Stadt es in einem Park der Öffentlichkeit zeigen, dazu gibt es am 23. November eine Feierstunde.

Foto: John Locher/AP/dpa

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