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Wenn ein T-Shirt zum Rausschmeißer wird
Wenn ein T-Shirt zum Rausschmeißer wird
03.12.2019 - 14:30 Uhr
Von Franziska Kiedaisch

Rheinstetten - Nikolas Karanikolas lacht wegen eines Rauswurfs, der ihm kürzlich widerfahren ist. "Gute sieben bis acht Sekunden war ich da drin", sagt er. Da drin: Das ist der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN) in New York. Grund für den Rauswurf war ein T-Shirt - mit dem der UN-Jugenddelegierte eine Forderung von deutschen Jugendlichen zur Anschauung brachte. "Stoppt Waffenlieferungen in Krisengebiete" stand auf dem Oberteil geschrieben.

"Wir kleiden uns wie Erwachsene, wir sprechen wie Erwachsene. Daran habe ich mich gestört", umschreibt der 21-Jährige die Idee hinter den 15 T-Shirts, die er bei seinem rund dreiwöchigen Aufenthalt bei den Vereinten Nationen in New York trug. Darauf waren Forderungen zu lesen, die Jugendliche aus ganz Deutschland ihm und der zweiten UN-Jugenddelegierten aus Deutschland (Freiburg), Josephine Hebling, vorweg mit auf den Weg gegeben haben.

Mit einem der T-Shirts lief er in der Botschaft der Vereinigten Arabischen Emirate umher, "Stop Sexism!" war darauf zu lesen. "Die Anzahl an freundlich aufgehobenen Türen und freundlichen Blicken reduzierte sich drastisch", sagt Karanikolas und lacht schon wieder.

Anzug für den Notfall immer dabei

"Aber als Teil der deutschen Delegation darf man das" - wobei der Rheinstettener immer auch einen "emergency suit" dabei hat, wie er erklärt - einen Notfall-Anzug also.

Vor dem großen Auftritt in New York waren Karanikolas und Hebling rund sechs Monate quer durch die Republik gereist, hatten in Schulen genauso nachgefragt wie auch bei SOS-Kinderdörfern, bei den Pfadfindern oder im Jugendgefängnis. "Uns war wichtig, die Vielfalt abzubilden", begründet Karanikolas die Auswahl an jugendlichen Gesprächspartnern.

Bewerben kann sich laut Karanikolas prinzipiell jeder junge Mensch auf das Amt - er hat es getan, weil das Programm für ihn ein "Leuchtfeuer der Jugendpartizipation" darstellt. Es gehe darin nicht nur darum, der Jugend eine Stimme zu verleihen, sondern eine gute Stimme, wie er ausführt. "Wer eine emanzipierte Gesellschaft haben möchte, der muss die Jugend hören. Denn wenn man sie heute nicht hört, dann hört man sie auch in Zukunft nicht und es entsteht das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden", sagt er und sein Enthusiasmus ist ihm deutlich anzumerken.

Rede vor Generalversammlung

Erstaunt hätten ihn die angesprochenen Themen dann aber doch: "Ich dachte, dass es eine ganz klare Tendenz in Richtung Klimawandel gibt. Aber es gibt nicht das eine Jugendthema". Einerseits gehe es den jungen Leuten um die Frage, welche Verantwortung Deutschland in der Welt hat, andererseits darum, wie sich Deutschland beim Thema globale Armut positioniere. Viele Forderungen seien identisch gewesen - egal, ob sie ein Strafgefangener oder ein Gymnasiast vorgebracht habe.

Den vorläufigen Höhepunkt des Engagements als Jugenddelegierter stellte dann Anfang Oktober eine gemeinsame Rede mit Hebling vor der UN-Generalversammlung dar. Den tatsächlichen Einfluss von Jugendlichen auf die UN schätzt Karanikolas zwar gering ein, denjenigen auf die deutsche Delegation hingegen als "sehr hoch". Dass von 60 Anmerkungen der jungen Delegierten zu einer Weltjugendresolution 15 von der deutschen Delegation übernommen wurden, nennt er "erstaunlich" und "ganz, ganz stark".

Ein Video der Rede der beiden Jugenddelegierten Nikolas Karanikolas und Josephine Helbig vor der UN-Generalversammlung finden Sie hier (Video: Vereinte Nationen):

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