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Vier Fragen an Lucas Wernert
Vier Fragen an Lucas Wernert
09.12.2019 - 11:51 Uhr
Baden-Baden (kie) - Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ist die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation der Welt. Am Montag befasst sich der Petitionsausschuss des Bundestages erstmals mit einer Petition der DLRG, die von über 120.000 Menschen unterzeichnet wurde. Darin fordert die Organisation, das "schleichende Bädersterben" zu unterbinden. Jährlich würden laut DLRG rund 80 Schwimmbäder geschlossen. Das nimmt die Onlineredaktion des Badischen Tagblatts zum Anlass, ein Interview zu wiederholen, das BT-Redakteurin Franziska Kiedaisch mit Luca Wernert, Leiter der Verbandskommunikation des Landesverbandes Baden der DLRG in der Vergangenheit geführt hat. Darin geht es um die Einsatzgebiete der DLRG, leichtsinnige Badegäste und die abnehmende Schwimmfähigkeit von Kindern.

BT: Herr Wernert, wann und wie wird die DLRG gerufen?

Luca Wernert: In Baden-Württemberg stellt die DLRG einen Teil des Landesrettungsdienstes dar, dabei sind wir für den Wasserrettungsdienst verantwortlich. Um es unbürokratisch auszudrücken: Die DLRG ist für Notlagen im, am und um das Wasser zuständig. Droht eine Person am Badesee zu ertrinken, sind wir genauso vor Ort wie bei einer Schiffshavarie in einem Fluss. Wir leisten auch technische Hilfe, etwa indem wir die Feuerwehr bei Bergungsarbeiten im und am Wasser unterstützen. Unsere Einsatzgruppen können über den Notruf alarmiert werden und rücken bei Ertrinkungsunfällen zeitgleich mit Feuerwehr und Co. aus.

BT: Gibt es dabei so etwas wie typische Einsatzschwerpunkte?

Wernert: Im Sommer passiert statistisch gesehen mehr. Einsätze finden logischerweise häufiger in der Badesaison statt. Der Rhein als Wasserstraße ist für uns als Landesverband ein Schwerpunkt. Die Leichtsinnigkeit, das als sicheres Gewässer zu betrachten, erstaunt regelmäßig. Die meisten Fälle, mit denen wir es zu tun haben, sind Schwimmer, die ihre Fähigkeiten überschätzen - oft unter Missbrauch von Alkohol und Drogen.

BT: Die DLRG hat sich zum Ziel gesetzt, möglichst vielen Menschen das Schwimmen beizubringen. Doch immer weniger Kinder im Grundschulalter können es tatsächlich. Woran liegt das?

Wernert: Deswegen hat die DLRG die Petition "Rettet die Bäder" an den Bundestag übergeben. 60 Prozent der Grundschulkinder können nicht schwimmen. Und das hängt auch mit dem Bädersterben zusammen. Deshalb hat die DLRG das Anliegen auf der politischen Ebene mit einem gewissen Pathos vorgetragen unter dem Schlagwort "Schwimmen lernen kostet Geld - Ertrinken das Leben". Das Nicht-Schwimmen-Können hat vielschichtige Gründe, einer davon ist, dass in manchen Schulen kein Schwimmunterricht angeboten wird. Dann ist die Frage entscheidend, ob es am logistischen Mehraufwand für die Schulen hängt, oder ob schlichtweg die Infrastruktur fehlt. Wenn es keine Schwimmbäder gibt, ist das die logische Konsequenz. Kommunen, Eltern und Schulen sind hier alle in der Pflicht.

BT: Was sollte man tun, wenn man eine Person sieht, die zu ertrinken droht?

Wernert: Das hängt natürlich immer von den Umständen ab. Grundsätzlich sollte aber immer ein Notruf abgesetzt werden - allein wegen der medizinischen Versorgung. Wer sich als geübter Schwimmer betrachtet und Mitte Juli am Baggersee einen Schwimmer in Not sieht, der kann sicher direkt handeln und diesen retten. Eine absolute Heldentat. Auf keinen Fall sollte man aber seine Fähigkeiten überschätzen. Einen Menschen im November aus einem Fluss zu ziehen, das ist keine gute Idee. Wer hier jemanden sieht, der sollte einerseits den Notruf kontaktieren und die Person im Auge behalten. Das ist für die hinzugerufenen Einsatzkräfte eine Hilfe. Man muss bei der Rettung immer auch beachten, wie fit man selbst ist - was ein hohes Maß an Beurteilungsfähigkeit erfordert.

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind.

Foto: DLRG Bezirk Karlsruhe e.V.

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