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Schwerer Unfall mit Reisebus auf A5
27.06.2018 - 16:20 Uhr

Karlsruhe (lsw) - Sie waren auf dem Weg in die Provence. Doch die Fahrt in den Kurzurlaub endete für eine Reisegruppe aus Oberfranken mit einem schrecklichen Unfall: Am frühen Mittwochmorgen fuhr ihr Bus auf der Autobahn 5 bei Karlsruhe bei plötzlich stockendem Verkehr auf einen Müllwagen auf. Die 30 Jahre alte Reiseleiterin neben dem Busfahrer hatte keine Chance, sie starb noch an der Unfallstelle. 31 Menschen wurden verletzt, zwei davon schwer. Wie genau es zu dem Unfall kam, blieb zunächst unklar.

Für die Polizei spricht viel für eine kurze Unaufmerksamkeit des bei dem Unfall leicht verletzten 62-jährigen Busfahrers. Er konnte noch nicht vernommen werden. "Er steht unter Schock", sagte ein Polizeisprecher. Hinweise auf einen technischen Defekt gibt es laut Polizei nicht. Gegen den Busfahrer wird wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung ermittelt.

Der Bus mit insgesamt 32 Menschen an Bord war am Mittwoch gegen 1.30 Uhr in Bayreuth gestartet. Knapp fünf Stunden später passierte er Karlsruhe. Kurz vor der Ausfahrt Karlsruhe-Rüppurr/Ettlingen geriet der Verkehr Richtung Süden ins Stocken. Laut Verkehrspolizei drosselte ein Sattelzugfahrer auf der rechten Spur deshalb sein Tempo, das nachfahrende Müllauto bremste. Der Busfahrer aus Bayern realisierte demnach offenbar zu spät die Situation, er machte eine Vollbremsung und zog sein Fahrzeug nach links, krachte aber mit der rechten Seite gegen das Heck des Müllwagens.

Reiseleiterin stirbt an der Unfallstelle
Die junge Reiseleiterin wurde in dem an der Seite völlig demolierten Bus eingeklemmt und starb noch an der Unfallstelle. Eine 71-jährige Frau, die hinter ihr saß, erlitt lebensgefährliche Verletzungen, ein 76-Jähriger wurde schwer verletzt. 27 weitere Menschen im Bus, laut Polizei überwiegend Senioren, wurden leichter verletzt. Auch der Fahrer und Beifahrer des Müllwagens kamen mit leichteren Blessuren davon. "Wir sind tief erschüttert", sagte ein Sprecher des Reisebüros, für das die Reiseleiterin arbeitete.

80 Hilfskräfte im Einsatz
Um 6.27 Uhr hatte ein Zeuge die Rettungskräfte alarmiert. "Uns war schnell klar, dass es sich um ein großes Ereignis mit Verletzten und möglicherweise Toten handelt", sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr, Markus Pulm. Anwohner waren am frühen Morgen durch Martinshörner von Polizei und Rettungskräften aufgeschreckt worden. Drei Hubschrauber kreisten über der Unfallstelle. 80 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten waren mit 30 Fahrzeugen und Helfern im Einsatz.

Viele Verstöße bei Rettungsgasse
Über eine wegen der A5-Baustelle gesperrten Ausfahrt kamen die Retter schnell als "Geisterfahrer" an die Unglücksstelle. Doch spätere Helfer und Abschleppwagen die über die A5 und A8 aus Norden kamen, hatten Probleme, weil Autos keine Rettungsgasse freiließen. 120 Autofahrer müssen nun mit einer Anzeige rechnen, sagte Polizeisprecher Raphael Fiedler.
Dafür hätten die Helfer diesmal weniger mit Gaffern zu tun gehabt. Der Verkehr Richtung Norden rollte die meiste Zeit an der Unfallstelle vorbei. Gegen 9.30 Uhr wurde er auf einer Spur nach Süden weitergeführt. Mittags, nach Bergung des Busses, wurde die Sperrung ganz aufgehoben. Kilometerlange Rückstaus bildeten sich nicht nur auf den Autobahnen, sondern auch auf den Umleitungsstrecken in und um Karlsruhe.

Fast täglich lange Staus
Der Unfallort liegt vor einer Großbaustelle der A5 zwischen Karlsruhe und Rastatt, wo sich seit Tagen regelmäßig lange Staus bilden. Die Polizei weist mit Stauwarnanlagen auf die gefährliche Stelle hin, die täglich 170.000 Fahrzeuge passieren.
Aus Sicht von Verkehrsforscher Heiner Monheim können Straßenbeschilderungen ohnehin nur eingeschränkt helfen, Unfälle zu vermeiden. "Es ist ziemlich schwer, für die Sicherung an der tagesaktuellen oder zeitaktuellen Stelle die bekannten Leuchten und Schilder aufzustellen", sagte er im Radioprogramm SWR Aktuell. Autofahrer würden nicht rechtzeitig vor Staus gewarnt, weil die Staulängen stark variierten. Helfen würden aus seiner Sicht hingegen generelle Tempolimits auf Autobahnen und Assistenzsysteme an Bord der Fahrzeuge.


Fotos: dpa

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