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Prozessauftakt gegen IS-Rückkehrerin Sabine S.
Prozessauftakt gegen IS-Rückkehrerin Sabine S.
03.05.2019 - 11:04 Uhr
Baden-Baden (red/lsw) - Die 32-jährige mutmaßliche Islamistin Sabine Ulrike S., die aus Rastatt stammt und 2018 in Lichtental festgenommen worden war, muss sich seit Freitag vor dem Stuttgarter Oberlandesgericht verantworten.

Sie habe von Dezember 2013 bis August 2017 bei der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien und Irak gelebt, sagte Bundesanwalt Stefan Biel zum Prozessauftakt am Freitag. Sabine S. wird unter anderem Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vorgeworfen. S. war nach ihrer Rückkehr Mitte 2018 in Lichtental festgenommen worden. Dort hatte sie mit ihren beiden jüngsten Kindern, die im Ausland geboren wurden, bei Verwandten gelebt.

Der Anwalt der Frau, Martin Heising, sagte vor Gericht, die 32-Jährige habe sich inzwischen vom Gedankengut des IS verabschiedet. Sie wolle in Deutschland ein normales und ruhiges Leben führen. Seine Mandantin wolle sich zu den Vorwürfen äußern.

Abschiedsbrief für Mann und kleine Kinder

Nach Gerichtsangaben konvertierte die Frau bereits 2008 zum Islam. Vor ihrer Ausreise habe sie sich vom Vater ihrer Kleinkinder getrennt und diese in Deutschland zurückgelassen. Laut Anklage verließ sie Deutschland im Dezember 2013. Ihrem Mann und ihren Kindern schrieb sie damals in einem Brief: "Ich musste dorthin, um zu helfen und um den ehrenvollen Tod einer Schahida zu erlangen" - den Tod einer Märtyrerin, hieß es im Sommer in einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Spiegel". Der Fall der Rastatterin stehe "für eine Wende in der deutschen Strafverfolgungspraxis", schrieb der "Spiegel" weiter, weil Rückkehrerinnen lange nicht belangt worden seien.

S. führte detaillierte Online-Blogs

Unmittelbar nach ihrer Ankunft in Syrien habe sie einen ihr bis dahin unbekannten höherrangigen IS-Kämpfer geheiratet, berichtete der Bundesanwalt. Von ihm bekam sie zwei Kinder. Der Anklage zufolge pries Sabine S. in mehreren Internetblogs detailliert das Leben beim IS an und warb für eine Ausreise aus Deutschland. Außerdem habe sie als Zuschauerin an öffentlichen Hinrichtungen teilgenommen. Dabei habe der Ehemann extra um sie eine Gasse bilden lassen, damit sie für die Einheimischen deutlich als "IS-Frau" zu erkennen gewesen sei.

Die Angeklagte soll auch Schießtraining bekommen haben. Mit ihrem Mann, der im Dezember 2016 gestorben sei, habe sie in der früheren IS-Hochburg Rakka gelebt.

Foto: dpa/Marijan Murat

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