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Vier Fragen an: Petra Ohnemus
Vier Fragen an: Petra Ohnemus
02.06.2019 - 08:00 Uhr
Baden-Baden - Drei Mal im Jahr herrscht in Iffezheim Hochbetrieb: Nämlich dann, wenn das Pferderennen auf dem Programm steht. Dabei ist es nicht nur so, dass auf dem Gelände der Rennbahn viel los ist, sondern etwa auch in der "Pferdeklinik an der Rennbahn". Über die anfallenden Arbeiten während der Meetings hat sich die Inhaberin der Klinik, Petra Ohnemus, mit BT-Volontär Marius Merkel unterhalten. Mit ihrem Team von knapp 35 Angestellten versorgt sie die Tiere und kümmert sich um das Wohl der Vollblüter.

BT: Frau Ohnemus, inwiefern unterscheidet sich eine Rennwoche vom normalen Arbeitsalltag in Ihrer Klinik?

Petra Ohnemus: Ein Unterschied ist auf jeden Fall, dass wir von unseren zwölf Tierärzten immer zwei für die Rennbahn abstellen. Wir sind immer eine Stunde vor dem ersten Rennen bis eine halbe Stunde nach dem letzten Start vor Ort. Auf der Bahn gibt es dann immer wieder Fälle, ob es Verletzungen sind oder Endoskopien, die in der Klinik versorgt werden müssen. Daraus folgt, dass wir zur Rennsaison in der Klinik immer einen Tierarzt mehr im Einsatz haben als an normalen Tagen. Zum anderen steigert sich der Arbeitsaufwand, weil natürlich während der Meetings viel mehr Rennpferde im Iffezheimer Boxendorf untergebracht sind. Wenn die Tiere ankommen, dann gibt es mal leichte Verletzungen, sie müssen mal eine Infusion bekommen oder haben auch mal Fieber. Zusammengefasst: Wir brauchen viel mehr Tierärzte im Einsatz, weil viel mehr Pferde da sind, die versorgt werden müssen.

BT: Sollte sich während eines Rennens ein Pferd verletzten, sind Sie direkt vor Ort?

Ohnemus: Wir haben ein Auto auf der Rennbahn, was mit Notfallmedikamenten bestückt ist. Der Wagen steht in direkter Nähe zum Geläuf. Sollte etwas passieren, ist der Tierarzt, der das Auto fährt, innerhalb kürzester Zeit am Geschehen. Auf der Bahn findet dann die Erstversorgung statt. Außerdem haben wir einen speziellen Krankentransporthänger, damit wir die Pferde im äußersten Notfall abtransportieren und in unsere Pferdeklinik bringen können. Da die Klinik direkt neben der Rennbahn ist und wir äußerst kurze Wege haben, ist das sehr praktisch. Es dauert im Notfall keine fünf Minuten bis wir die Klinik von der Bahn erreicht haben.

BT: Was sind die häufigsten Verletzungen, die sich die Vollblüter zuziehen?

Ohnemus: Direkt auf der Bahn sind es meisten Sehnenverletzungen, da diese Bereiche des Pferdes am stärksten beansprucht werden. Es kann natürlich aber auch zu Knochenfrakturen kommen, was allerdings eher selten ist. Auch Verstauchungen von Gelenken und mal ein Kreislaufproblem können auftreten. Die Pferde haben nicht unbedingt ein Problem mit der Hitze, sondern eher mit der hohen Luftfeuchtigkeit. Sprich bei schwülem Wetter können die Tiere durchaus ihre Probleme mit dem Wetter haben.

BT: Früher galt häufig: Bei einem Knochenbruch musste ein Pferd eingeschläfert werden. Ist dem immer noch so?

Ohnemus: Es kommt ganz drauf an, an welcher Stelle der Bruch ist. Aber häufig sind das bei den Vollblütern Brüche im unteren Bereich, oft am Fesselkopf. Heute kann man das durchaus chirurgisch versorgen. Es wird geschraubt, es werden Implantate beziehungsweise Platten eingesetzt. So wie in der Humanmedizin auch. Je nach Fraktur ist es dann auch wieder möglich, dass die Pferde auf die Rennbahn zurückkehren können. Einige gehen aber auch direkt in die Zucht.


Vier Fragen an:

"Vier Fragen an:" ist eine Reihe der BT-Onlineredaktion. Die vier Fragen richten sich an Menschen, die gerade im Fokus stehen, etwas Interessantes erlebt oder zu erzählen haben oder aufgrund ihrer Tätigkeit interessant sind. Die Beiträge der Reihe werden sonntags um 8 Uhr auf der Homepage des Badischen Tagblatts veröffentlicht.

Foto: Frank Vetter/Archiv

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