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Auerwild kämpft um Überleben
Auerwild kämpft um Überleben
02.11.2019 - 11:58 Uhr
Schwarzwaldhochstraße (red) - Die Bestandszahlen für das Auerwild im Schwarzwald sind alarmierend. Nur noch rund 135 balzende Hähne konnten in diesem Frühjahr an den Balzplätzen ermittelt werden. Dies entspricht einem Rückgang um 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Zum Vergleich: Im Jahr 1970 waren es noch etwa 600, im Jahr 2012 immerhin noch 315 Hähne. "Das Auerwild ist im höchsten Maße vom Aussterben bedroht", sorgt sich Martin Hauser, der Wildtierbeauftragte des Landkreises Rastatt.

Dies gilt auch für das Vorkommen im Landkreis Rastatt. Rund ein Fünftel des gesamten Bestandes im Schwarzwald lebt hier auf den Hochlagen. Dort findet das Auerwild noch den geeigneten Lebensraum: Lichte Strukturen in den Wäldern, mit reichlich Heidelbeervorkommen. Diese müssen erhalten und wenn erforderlich, neu geschaffen werden. Eine große Aufgabe für das Forstamt beim Landratsamt Rastatt und für die betroffenen Waldbesitzer.

Förster engagieren sich bereits seit Langem

Schon seit Langem engagieren sich die Förster für das Auerwild und seinen Lebensraum. Zum Schutz der Tierart wird im Staatswald Baden-Württemberg seit 2008 der vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum erstellte "Aktionsplan Auerhuhn" umgesetzt. Auch im Kommunal- und Privatwald wurden bereits zahlreiche Projekte durchgeführt.

Im vergangenen Jahrzehnt haben die Forstleute in den Hochlagen des Landkreises auf einer Waldfläche von mehr als 500 Hektar lebensraumverbessernde Maßnahmen geschaffen. Auch im Kirchenwald und im Gemeindewald Forbach wird im Rahmen der normalen Waldbewirtschaftung auf die Belange des Auerwildes Rücksicht genommen. In Zusammenarbeit mit dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, der Sielmann Stiftung und dem Bergwaldprojekt konnten umfangreiche Lebensraumverbesserungen durchgeführt werden.

Im Gemeindewald Weisenbach wurde im Vorjahr in den Hochlagen Oberes Ried im Rahmen einer intensiven Durchforstung das Vorkommen von Heidelbeere und Kiefer gefördert. Daneben wurden Lücken ausgeformt.

Lichte Strukturen und Lücken erhalten

Auch im Bereich der Murgschifferschaft, dem größten Privatwald im Landkreis Rastatt, spielt das Auerwild aufgrund aktiver Balzplätze eine große Rolle. Auf geeigneten Flächen wird darauf geachtet, dass lichte Strukturen und Lücken geschaffen und erhalten werden.

Für das Auerwildvorkommen auf dem Hohen Ochsenkopf ist der Nationalpark Schwarzwald zuständig. Dort sind Aktivitäten zur Lebensraumgestaltung auf die Entwicklungs- und Managementzonen beschränkt. In den Hochlagen des Stadtwaldes Gernsbach, angrenzend an den Kaltenbronn, und auf den Waldflächen der Gemeinde Loffenau gibt es seit Jahren Anstrengungen. Derzeit werden neue Planungen angegangen.

Pflegemaßnahmen rund um den Mehliskopf

Im Rahmen des Sonderprogrammes des Landes zur Förderung der biologischen Vielfalt beteiligt sich die Gemeinde Bühlertal an der Aufwertung des Lebensraums für das Auerwild im Bereich Hundseck ebenso wie die Gemeinde Ottersweier im Hochkopfgebiet. Seit vielen Jahren sind Pflegemaßnahmen rund um den Mehliskopf durch die Stadt Bühl erfolgt. 2018 konnten durch Beteiligung am Landessonderprogramm weitere Flächen am Hochkopf auerhuhngerecht gestaltet werden. Die Stadt Rastatt schickt regelmäßig ihre Auszubildenden zum Forstwirt für mehrere Tage auf den Kaltenbronn. Dort schaffen sie "Lücken für Küken".

Trotz dieser Initiativen der Waldbesitzer kämpft das Auerwild um sein Überleben. Neben der Veränderung und Zerschneidung seiner Lebensräume führt die Klimaerwärmung zu einer Verschlechterung der Lebensbedingungen. Der zu verzeichnende Anstieg der Fuchs- und Marderdichte setzt den Auerhühnern ebenfalls zu. Auch der zunehmende Tourismus und das Freizeitverhalten der Menschen führen zu Störungen und Beeinträchtigungen für die Auerhühner. Die-sen Faktoren muss durch sinnvolle Konzepte und Maßnahmen entgegengewirkt werden, damit auch noch in den kommenden Jahren die Aussage Bestand hat: "Noch balzt der Hahn im Schwarzwald".

Foto: Michael Reichel/dpa

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