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Rosen, Kerzen und Danke an die Nachbarn
09.11.2019 - 16:25 Uhr
Berlin (dpa) - Der kleine Theodor aus Berlin hört Geschichten aus einer anderen Welt. Aus einer Zeit, in der Menschen hinter einer Mauer eingesperrt waren. "Damit sie nicht weglaufen", sagt der Fünfjährige. Das hat ihm zuvor Angela Merkel (CDU) erzählt. Bei dem zentralen Gedenken zum Fall der Mauer vor 30 Jahren nimmt sich die Kanzlerin am Samstag Zeit, bleibt bei dem Jungen und seiner Mutter stehen und unterhält sich mit ihnen. Als Merkel so alt gewesen sei wie Theodor, habe sie ihre Oma von der anderen Seite der Mauer nur einmal im Jahr sehen können, berichten die beiden aus dem Gespräch mit der Kanzlerin an der Bernauer Straße.

Dieser trübe Novembertag ist ein besonderer Tag der Erinnerung an die friedliche Revolution vom Herbst 1989 und der Freude über den Mauerfall. Es ist aber auch ein Tag, der zeigt, dass das geeinte Deutschland normal geworden ist und ein historischer Jahrestag ohne großen Jubel und Pathos auskommt.

Wir bauen Brücken für die Zukunft

"Wir bauen mit der Erinnerung jetzt auch Brücken in die Zukunft", sagt der DDR-Oppositionelle Roland Jahn der Deutschen Presse-Agentur. Zu dem Gedenken sind auch Schüler aus Polen, Tschechien, Ungarn, Norwegen und der Slowakei gekommen. Sie wünschen sich, dass keine Mauern mehr die Menschen trennen. "Wir wollen uns für Europa einsetzen", sagt eine junge Tschechin bei dem Gedenken an der einstigen Mauer.

Die Schülerin steckt wie Merkel und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine Rose in die Hinterlandmauer, die damit symbolisch durchlöchert wird. Auch die Staatsoberhäupter von Polen, Ungarn, der Slowakei und Tschechien sind gekommen. Deutschland würdigt damit ihren Beitrag zum Mauerfall.

An der Bernauer Straße spielten sich damals Dramen ab

Es ist der frühere Todesstreifen an der Bernauer Straße, auf dem die Kanzlerin zur Kapelle der Versöhnung geht. Dort, wo einst DDR-Grenzsoldaten patrouillierten, entstand der schlichte Bau aus Lehm nach der Wiedervereinigung auf dem Boden der gesprengten Versöhnungskirche.

An der Bernauer Straße spielten sich nach dem Mauerbau vom 13. August 1961 dramatische Szenen ab. Die Häuser gehörten nun zum Osten, der Bürgersteig zum Westen, Menschen versuchten in den ersten Tagen noch, aus den Fenstern ihrer Wohnungen in den Westen zu springen. Dann wurde zugemauert.

Versöhnungskirche musste weichen

Die Versöhnungskirche stand lange im Schussfeld der DDR-Grenzsoldaten und musste deshalb auf Befehl von oben 1985 weichen. "Das war nichts anderes als ein Akt der Menschenverachtung", sagt Merkel bei der Andacht in der kleinen Kapelle. "In der Sprengung der Versöhnungskirche zeigte sich gleichsam die Unversöhnlichkeit der Diktatur der DDR mit dem Grundbedürfnis des einzelnen Menschen, Freiheits- und Menschenrechte für sich in Anspruch zu nehmen." Zu viele Menschen seien Opfer der SED-Diktatur geworden. "Wir werden sie nicht vergessen."

Die Mutter des letzten erschossenen DDR-Flüchtlings Chris Gueffroy bleibt fast stumm an dem Gedenktag. Sie sei sehr berührt, sagt sie nur. "Das wird immer so bleiben", meint Karin Gueffroy mit traurigem Blick. Ihr 20-jähriger Sohn starb wenige Monate vor dem Mauerfall im Februar 1989 im Kugelhagel - einer von mindestens 140 Toten an der Berliner Mauer.

Etliche Büger sind zur Andacht gekommen

Trotz des regnerischen Wetters sind neben den Politikern auch etliche Bürger gekommen. Manche zufällig, manche auch ganz bewusst. Detlev Puschke und seine Frau Margret etwa reisten extra aus Magdeburg an. Das hatten sie sich schon im vergangenen Jahr vorgenommen. Nun stehen sie in Sichtweite des Denkmals "Die Kauernde, sich aufrichtend", wo der Bundespräsident und die Staatsoberhäupter der vier osteuropäischen Staaten Blumen niederlegen.

Puschke hat die Brutalität des SED-Regimes am eigenen Leib erfahren. Er sei in der DDR im Knast geboren worden und im Heim groß geworden, erzählt der heutige Lkw-Fahrer. Inzwischen sei er als Opfer von DDR-Unrecht rehabilitiert worden. "Ich hätte gern mal dem Bundespräsidenten die Hand gegeben - einfach, um mal Danke zu sagen, nicht mehr und nicht weniger." Doch Puschke steht hinter einer Absperrung - zu weit weg von Steinmeier und den anderen Politikern.

Mauer-Gedenkstätte als Lernort für Weltoffenheit

An Merkel kommen die Zaungäste der offiziellen Gedenkveranstaltung näher heran. Über die Absperrgitter hinweg strecken sie der Kanzlerin Hände entgegen, zücken Handys für Fotos. Merkel, die gerade in Ostdeutschland bisweilen niedergebrüllt wird, trifft hier auf Menschen, die klatschen und Bravo rufen. Die Kanzlerin im hellbraunen Mantel lächelt für Selfies und kommt mit vielen kurz ins Gespräch.

Doch die Sorge um den Erhalt der heute vielfach infrage gestellten und angegriffenen Demokratie ist auch zu spüren. Ein Besucher aus Hessen fühlt sich angesichts der AfD-Wahlerfolge an die Jahre 1938/39 erinnert. "Die Rechten profitieren auch heute", sagt der 70-Jährige. In Zeiten von "wachsendem Populismus und beschämendem Antisemitismus" sei die Mauer-Gedenkstätte ein Lernort für Weltoffenheit und gegen jede Form der Ausgrenzung, verspricht Direktor Axel Klausmeier.

Merkel rief dazu auf, die 1989 errungene Freiheit gegen neue Anfeindungen zu verteidigen. "Der 9. November, in dem sich in besonderer Weise sowohl die fürchterlichen als auch die glücklichen Momente unserer Geschichte widerspiegeln, ermahnt uns, dass wir Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegentreten müssen", sagte die CDU-Politikerin.

Foto: Kay Nietfeld /dpa

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