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Stubenarrest für Stubentiger?
Stubenarrest für Stubentiger?
04.12.2019 - 15:16 Uhr
Tilburg (dpa) - Hauskatzen sollten künftig nach Ansicht niederländischer Juristen nicht mehr umherstreunen dürfen. Die Tiere gefährdeten die Artenvielfalt insbesondere von Vögeln, begründen Arie Trouwborst und Han Somsen von der Universität Tilburg ihren radikalen Vorstoß.

Rechtliche Handhabe für ein solches Verbot bieten demnach Richtlinien der Europäischen Union. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bewertet die Forderung skeptisch. "Das Katzenproblem muss man ernst nehmen", sagt Nabu-Vogelexperte Lars Lachmann. Ein Ausgehverbot könne bei der Gefährdung lokaler Populationen mancherorts durchaus sinnvoll sein. Flächendeckend sei eine solche Maßnahme rechtlich aber nicht begründbar.

Etwa 15 Millionen Tiere in Deutschland

Trouwborst und Somsen argumentieren in einem kürzlich im "Journal of Environmental Law" veröffentlichten Beitrag, Katzen seien eine invasive Art, die vor Jahrtausenden von Vorderasien nach Europa gebracht wurde. Inzwischen zählten sie global zu den am weitesten verbreiteten Räubern und richteten riesige Schäden an. Dies liege auch daran, dass die Tiere sehr zahlreich seien und eine wesentlich höhere Populationsdichte aufwiesen als Fleischfresser ähnlicher Größe. In Deutschland schätzt der Nabu ihre Zahl auf etwa 15 Millionen - davon seien 1 bis 2 Millionen verwildert.

Weltweit an der Ausrottung von Tierarten beteiligt

"Weltweit waren Hauskatzen an der Ausrottung von mindestens 2 Reptilienarten, 21 Säugetierarten und 40 Vogelarten beteiligt - das heißt an 26 Prozent aller bekannten derzeitigen Ausrottungen in diesen Tiergruppen", schreiben Trouwborst und Somsen. "Derzeit stellen Hauskatzen eine Gefahr für mindestens 367 bedrohte Arten dar."

Tiere an der Leine ausführen

Trouwborst und Somsen verweisen nicht nur auf jagende Tiere: Schon die Gegenwart einer Katze verschrecke Vögel und gefährde den Bruterfolg etwa von Amseln und Rauchschwalben. Die Folgen seien für die Bestände ähnlich gravierend wie die Jagd selbst, so die Autoren. Ihr Vorschlag: Streunende und verwilderte Katzen sollten aus der Landschaft nach Möglichkeit entfernt werden, Besitzer sollten ihre Tiere nicht mehr nach draußen lassen - es sei denn angeleint oder in Gehegen.

Juristische Grundlagen

Die juristische Grundlage für ein derart radikales Vorgehen liefern die Forscher mit - etwa die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Artikel 6 sowie 22b, dem zufolge eingeführte Arten die heimische Fauna nicht gefährden dürfen. Zusätzlich biete die Vogelschutz-Richtlinie, Artikel 2 und 5, eine Handhabe: Insbesondere Artikel 5 fordert ein Verbot des absichtlichen Störens, Tötens oder Fangens von Vögeln.

"Die Richtlinien decken eine große Bandbreite ab", sagt Jan-Henrik Meyer vom Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt. "Die Forscher liefern das argumentative juristische Rüstzeug für ihre Durchsetzung." Ob das aber im Einzelfall juristisch standhalte, sei offen.

"Dann müsste man auch gegen Fensterscheiben vorgehen"

Dass Katzen einzelne Individuen geschützter Tierarten töten, ist für Lachmann keine Grundlage für ein generelles Ausgehverbot. Dann müsse man auch gegen alle Fensterscheiben in Gebäuden vorgehen - dadurch kommen laut Nabu hierzulande jährlich rund 100 Millionen Vögel ums Leben. Wenn Katzen aber lokal Bestände geschützter Arten bedrohe, befürworte der Nabu auch strenge Maßnahmen.

Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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