Orkanböen und Gewitter: Einsätze in Mittelbaden

Orkanböen und Gewitter: Einsätze in Mittelbaden

Baden-Baden/Karlsruhe (dpa/red) - Orkanartige Böen sind am Mittwochmorgen mit mehr als 120 Kilometern pro Stunde über den Westen Deutschlands gefegt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnte vor umherfliegenden Gegenständen und umstürzenden Bäumen. Auch in Mittelbaden gab es Schäden. Bis zum Nachmittag meldete das Polizeipräsidium in Offenburg auf BT-Nachfrage im Stadtkreis Baden-Baden, im Landkreis Rastatt und im Ortenaukreis rund 100 Einsätze. Die Höhe der Sachschäden sei noch nicht absehbar.

In Baden-Baden musste am Morgen kurzzeitig die B500/Europastraße an der Abfahrt zum Behördenzentrum laut der Polizei gesperrt werden. Dort war ein Baum umgestürzt. Auch in der Werder- und Staufenbergstraße lagen Bäume auf der Straße, die Einsatzkräfte waren vor Ort. Die Feuerwehr Baden-Baden musste allein am Vormittag 26 Mal ausrücken. In erster Linie waren Bäume umgestürzt, aber auch ein Dach wurde großflächig abgedeckt. Ein Feuerwehrmann verletzte sich bei den Maßnahmen, ansonsten meldete das Polizeipräsidium in Offenburg keine Verletzten. In Rastatt wurden laut der Polizei im Leopoldring und in der Markgrafenstraße Baustellenabsicherungen umgeweht.

Die Straße zwischen Steinbach und Vimbuch wurde am Morgen ebenfalls durch umgestürzte Bäume blockiert. Die L 84 von Neuweier zum Zimmerplatz (Foto: Sven Gehrke) ist vorerst gesperrt. In Gernsbach stürzte ein Baum auf ein Hausdach und drohte von dort weiter abzurutschen. Die Wolfsschlucht sowie die Fremersbergstraße waren am Vormittag zeitweise nicht mehr passierbar. Wegen des Sturmtiefs "Burglind" bleibt der Zoologische Stadtgarten Karlsruhe bis auf Weiteres geschlossen. "Als kleine Entschädigung ist das Exotenhaus (Zugang Ettlinger Straße) für Besucher heute bei freiem Eintritt zugänglich", teilt die Stadt Karlsruhe mit.

Aufgrund von Sturmschäden kam es auf mehreren AVG-Stadtbahnlinien zu Fahrtausfällen und Verzögerungen. Da sich im Bereich zwischen Marxzell Bahnhof und Fischweiher ein Baum im Gleisbereich befindet (Stand 14.30 Uhr), verkehrt die S1 bis auf Weiteres nicht auf diesem Streckenabschnitt. Zwischen den Haltestellen Busenbach und Bad Herrenalb ist ein Schienenersatzverkehr mit Bussen eingerichtet. Sturmtief "Burglind" hat zudem zu etlichen Zugausfällen im Südwesten geführt. So musste am späten Vormittag die wichtige Rheintalbahn bei Emmendingen gesperrt werden, weil ein Baum auf die Gleise zu fallen drohte, wie ein Bahnsprecher mitteilte. Ansonsten waren die Fernverkehrrouten demnach nicht betroffen, es kam jedoch zu Einschränkungen auf anderen Strecken.

Das stürmische Wetter hat auch den Verkehr am Flughafen Basel-Mulhouse-Freiburg im Elsass beeinträchtigt. Er sei am Mittwochvormittag kurzzeitig eingestellt worden, sagte ein Sprecher der französischen Luftfahrtbehörde DGAC. Insgesamt wurden dort bis zum Mittag fünf Flüge umgeleitet und sechs gestrichen. Am Mittag hieß es aber bereits, die schlechten Wetterbedingungen seien vorbei: "Rückkehr zur Normalität", so der Sprecher. Am Flughafen Stuttgart wurden zwei Flüge nach München und Hamburg am Morgen gecancelt, eine Maschine aus Hamburg, die zum Höhepunkt des Sturms gegen 9 Uhr landen sollte, wurde kurzfristig nach München umgeleitet, wie eine Sprecherin des Airports sagte.

Geringe Hochwassergefahr

Das Sturmtief "Burglind" wird nach Einschätzung von Experten keine größeren Hochwasser im Südwesten zurücklassen. "Wir rechnen mit keiner dramatischen Lage", sagte der Leiter der Hochwasser-Vorhersagezentrale, Manfred Bremicker, am Mittwoch in Karlsruhe. Dennoch werde es an etliche Flüssen im Land zu Hochwasser kommen, wie es alle zwei bis zehn Jahre zu erwarten sei - "eventuell auch alle 20 Jahre". Der Hochwasserschutz in den Gemeinden reiche aber in der Regel für Hochwasser, wie sie alle 50 bis 100 Jahre vorkommen. Vielleicht müsse die eine oder andere Straße gesperrt werden. Auch sogenannte Retentionsflächen - Flutungsflächen bei Überschwemmungen - könnten ihm zufolge genutzt werden. Bremicker stufte die erwarteten Hochwasser als "klein bis mittel" ein. An den meisten Flüssen würden die höchsten Wasserstände am Donnerstag erwartet, am Rhein bei Basel am Freitag und bei Mannheim am Sonntag.

Warnung vor Spaziergängen im Wald

Forstminister Peter Hauk (CDU) warnt angesichts der Sturmböen vor Waldspaziergängen im Südwesten - auch dann, wenn das Wetter wieder besser ist. "Waldspaziergänge können während und nach dem Sturm lebensgefährlich sein", mahnte Hauk am Mittwoch. Durch das Sturmtief "Burglind" könnten Bäume umstürzen oder Äste herunterfallen. Regionen mit viel Schnee seien besonders gefährdet, da die Schneelast die Äste bereits geschwächt habe.

 

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