Weltfrauentag: Gleichstellung passiert nicht von alleine

Weltfrauentag: Gleichstellung passiert nicht von alleine

Berlin (KNA) - 100 Jahre nach Einführung des Wahlrechts für Frauen bleibt in Deutschland nach Einschätzung von Experten viel zu tun. Für künftige Generationen müsse es "eine Selbstverständlichkeit sein, dass beide Geschlechter auf Augenhöhe in einer offenen Gesellschaft zusammenleben", erklärte die Gründerin der Menschenrechtsorganisation Solwodi, Schwester Lea Ackermann, zum Weltfrauentag am Donnerstag.

Viele Frauen erhielten nach wie vor für die gleiche Arbeit weniger Lohn als Männer, seien unfreiwillig in Teilzeit und häufiger von Altersarmut betroffen.

Die stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner erklärte, sie wolle "Frauen unter den Zuwanderern und Flüchtlingen stärken", weil dies "entscheidend für den Integrationserfolg" sei. Diese Frauen könnten nur dann wirklich in der deutschen Gesellschaft ankommen, wenn ihre Gleichberechtigung gefördert werde, sagte Klöckner der "Bild"-Zeitung.

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) betonte: "Wer Frauenrechte angreift, greift das Selbstverständnis unserer aufgeklärten und liberalen Demokratie an." Gleichstellung passiere nicht von allein. Auf dem Arbeitsmarkt müsse mehr Gerechtigkeit zwischen Frauen und Männern erreicht werden.

Risiko für Altersarmut höher

Der Paritätische Wohlfahrtsverband wies auf das Risiko von Altersarmut hin, das für Frauen wesentlich höher als für Männer sei. 59 Prozent der Betroffenen im Jahr 2016 waren laut Statistischem Bundesamt weiblich. Ein Hauptgrund sind die Unterbrechungen der Erwerbsbiografien nach Geburten. Dies könne nicht sein, kritisierte die Leiterin der Abteilung "Soziale Arbeit" beim Paritätischen, Marion von zur Gathen. Bisherige Maßnahmen wie das Elterngeld Plus oder der Kita-Ausbau seien "gut gemeint, aber nur selten gut oder vollständig umgesetzt. Wir erwarten von der kommenden Bundesregierung, dass sie allen Frauen die Gewissheit gibt, dass sie im Alter und auch sonst niemals Armut erleiden müssen."

Frauen verdienen 21,5 Prozent weniger als Männer

2016 haben Frauen in Deutschland laut EU-Statistikbehörde Eurostat im Durchschnitt 21,5 Prozent weniger verdient als Männer. Das liege über dem EU-Durchschnitt von 16,2 Prozent. Der prozentuale Unterschied zwischen den durchschnittlichen Bruttostundenverdiensten von Männern und Frauen ist auch als Gender Pay Gap bekannt. In Deutschland hat sich der Gender Pay Gap zwischen 2011 und 2016 um 0,9 Prozent verkleinert, in der EU um 0,6 Prozent.

Eine Studie des DIW Berlin stellte unterdessen fest, dass der Gender Pay Gap bei Vollbeschäftigten von 26,6 Prozent 1985 auf zuletzt 16 Prozent gesunken sei. Die Entwicklung ist demnach aber nicht bei jedem angekommen; bei Frauen im Alter von 40 bis 49 stagnierte der Gender Pay Gap in den vergangenen dreißig Jahren bei über 20 Prozent. Bei niedrigen Löhnen ist der Unterschied den Angaben zufolge in den vergangenen 30 Jahren mit gut zehn Prozentpunkten am stärksten zurückgegangen, beträgt aber weiterhin 20,1 Prozent.

Symbolfoto: Fotolia

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