Talent sticht Schulnoten

Talent sticht Schulnoten

Stuttgart (lsw) - Bei der vom Bundesverfassungsgericht verlangten Reform der Zulassung zum Medizinstudium will Baden-Württemberg die Bedeutung des Abitur-Schnitts zurückdrängen und Testverfahren stärken. "Wir wollen den Talenten mehr Chancen geben", sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne). Die Kultusminister der Länder wollen bei ihrer Konferenz ab Donnerstag in Erfurt Eckpunkte für ein neues Zulassungsverfahren beschließen.

Dabei geht es auch um die Zukunft der Wartezeitquote, über die bisher etwa jeder fünfte Student ohne Einser-Abi Zugang bekam. Baden-Württemberg baue darauf, so Bauer, die Wartezeitquote komplett zu ersetzen, und stattdessen einem Teil der Bewerber allein über Testverfahren Zugang zum Medizinstudium zu gewähren - unabhängig vom Abi-Schnitt.

Wartezeit bis zu 15 Semester

"Wir wollen das Recht bekommen, dass wir in relevantem Umfang auch allein über Testverfahren den Zugang eröffnen." Fest steht: Das Verfahren zur Vergabe von Medizin-Studienplätzen muss anders werden. Karlsruhe hatte im Dezember entschieden, dass es teils verfassungswidrig ist und bis Ende 2019 neu geregelt werden muss. Heute haben fast nur Einser-Abiturienten eine Chance; für viele gelten Wartezeiten von bis zu 15 Semestern. Die Richter verlangten unter anderem transparentere Verfahren, mehr Vergleichbarkeit der Abinoten und weniger Wartezeit.

Tests aus der Praxis

Neben dem Test für medizinische Studiengänge (TMS) führe Baden-Württemberg eine neue Talentquote ein: Wer in multiplen Mini-Interviews Fähigkeiten wie Auffassungsgabe, Konzentrationsvermögen oder Empathiefähigkeit beweise, solle eine Chance auf das Studium bekommen. "Es geht um die Möglichkeit, Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, die man als Hausarzt und Allgemeinmediziner in besonderer Weise braucht", sagte Bauer. Ziel sei es, 100 von 1.500 Plätzen in Baden-Württemberg so zu vergeben. Bauer hält das auch für einen Weg, die Allgemeinmedizin zu stärken.

Symbolfoto: dpa

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