Offenes Rennen beim SWR

Offenes Rennen beim SWR

Stuttgart (bjhw) - Der Südwestrundfunk (SWR) steht vor einer Zäsur: Nach Peter Voß und Peter Boudgoust wird zum ersten Mal ein Intendant - oder eine Intendantin - gewählt ohne Nähe zur CDU. Das Rennen gilt als völlig offen, ebenso, ob Kai Gniffke (58), Chefredakteur von "ARD aktuell", oder die hauseigene Landessenderdirektorin Stefanie Schneider (57) am heutigen Donnerstag bereits eine Mehrheit findet.

Stimmberechtigt sind die 92 Mitglieder der beiden Verwaltungs- und Rundfunkräte aus Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Notwendig ist die Zustimmung in allen vier Gremien. Sollte auch der zweite Wahlgang keine Entscheidung bringen, kann der nächste frühestens nach sechs Wochen und damit tatsächlich erst nach der Sommerpause stattfinden, weil die Ferientermine in beiden Ländern ein anderes Vorgehen ausschließen.

Aufregung im Vorfeld

Vor allem die Sichtung der Bewerbungen durch eine von den Gremien beauftragte Arbeitsgruppe hatte im Vorfeld für erhebliche Aufregung gesorgt, weil beide Kandidaten dem rot-grünen Lager zugerechnet werden. Außerdem nahm sich Verwaltungsdirektor Jan Büttner, der seit Langem als aussichtsreicher Boudgoust-Nachfolger gehandelt wurde, im März mit einem Brandbrief selber aus dem Rennen. Nicht etwa aus "plötzlichen Zweifeln" an seiner Befähigung - "Ich glaube, dass ich alle Voraussetzungen mitbringe, um den SWR durch schwierige Zeiten zu steuern" -, sondern um "weiteren Schaden von unserem Sender abzuwenden". Vor allem Gremienmitglieder mit CDU-Parteibuch oder -Nähe hatten Büttner favorisiert.

Gremien tagen öffentlich

Die Gremiensitzung findet öffentlich statt und wird außerdem ab 10 Uhr auf www.SWRAktuell.de gestreamt. Schneider und Gniffke werden sich noch einmal präsentieren, danach werden sie von den Rundfunk- und Verwaltungsräten befragt, bevor der erste Wahlgang stattfindet. Als 2006 Peter Boudgoust, der frühere Spitzenbeamte im Staatsministerium, zum Nachfolger von Voß gewählt wurde, war ebenfalls mit einem schwierigen Verfahren gerechnet worden. Damals fiel die Entscheidung aber trotz zweier Gegenkandidaten schon im zweiten Wahlgang.

Symbolfoto: Franziska Kraufmann/dpa/Archivfoto

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