BT-Tagebuch: Mehr Zahlstellen

BT-Tagebuch: Mehr Zahlstellen

Von Werner Kolhoff

Berlin - Ich informiere die Presse darüber, dass morgen die zweite Sitzung der Senats-Arbeitsgruppe stattfindet, die Berlin auf die neue Reisefreiheit vorbereitet. "So soll der Ansturm von drüben bewältigt werden" titelt dazu am Mittwoch die "Berliner Morgenpost".

Bei dieser zweiten Sitzung der Arbeitsgruppe werden Zwischenberichte der beteiligten Verwaltungen über ihre Vorbereitungen aufgerufen. 20 Beamte nehmen teil. Alles ist im Plan. Neu ist die Idee, dass die Berliner Sparkassen und Banken das Begrüßungsgeld für den Senat treuhänderisch auszahlen könnten, wenn Bonn den Weg einer direkten Auszahlung in der DDR schon blockiert. So hätten wir Hunderte von Zahlstellen statt bloß die zwölf Bezirksrathäuser. Es wird beschlossen, darüber noch am Donnerstag Gespräche mit den Finanzinstituten zu führen.

DDR fast führungslos

In der DDR tritt der Ministerrat nach dem gescheiterten ersten Reisegesetz an diesem Dienstag geschlossen zurück und amtiert nur noch kommissarisch weiter. Das Land ist nun fast führungslos.

Foto: Krohn/krohnfoto

Unser Berliner Korrespondent Werner Kolhoff war zur Zeit des Mauerfalls Sprecher des Senats von Berlin und Vertrauter des damaligen Regierenden Bürgermeisters Walter Momper (SPD). Er schildert in dieser Serie bis 12. November täglich seine persönlichen Erlebnisse rund um den 9. November 1989.

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